Schüleraustausch

Vorgeschichte:
Am Anfang stand die Einsicht, dass wir alle mehr persönliche Begegnungen wollen.

  • 2013 besuchte der Country Representative von Pro Liberia e.V. München. Er war zwei Wochen lang Gast an unserer Schule und schenkte uns die Motivation zum allerersten Afrikatag. Der Afrikatag ist ein Informationstag für die achte Jahrgangsstufe.
  • 2014 reisten zwei Kolleginnen aus dem Pestalozzi-Gymnasium nach Liberia, um einen Lehrer-Workshop zu halten und alle Schülerinnen, Schüler und die Erwachsenen, die sich im Projekt engagieren, kennen zu lernen.
  • Schülerinnen und Schüler schreiben sich seit 2012 persönliche Briefe und sind nun teils schon seit vielen Jahren in Kontakt miteinander. Der Wunsch, sich auch einmal persönlich kennen zu lernen, wurde dadurch immer größer.
  • 2014 brachte die Ebola-Epidemie neben allen Grausamkeiten auch eine positive Entwicklung: die Chance selbst Schule zu machen und sich eigene Bildungsangebote zu überlegen. Ein Unterrichtsraum wurde gegründet und später in die Bibliothek (der sog. reading room) umgewandelt, ein jährlicher Schreibwettbewerb wird seither veranstaltet und von da an wurde in Liberia sehr darauf geachtet, dass sich Workshops bilden, Exkursionen gemacht werden und mehr Zusammenarbeit im Projekt entsteht.
  • 2015 konnte aufgrund der Nach-Ebola-Situation keine Reise von Liberia nach Deutschland unternommen werden. Also fuhr wieder jemand von uns nach Liberia.

In unseren Gesprächen und gemeinsamen Erlebnissen taten sich damals zwei Einsichten auf:

  1. Es wäre wichtig, dass es einen eigenständigen Verein in Liberia gibt, damit jeder, der ins andere Land fliegt, auch wirklich nicht privat unterwegs ist, sondern zu Hause erzählen, diskutieren, Fragen beantworten und Fotos zeigen kann, damit alle auch als Gruppe profitieren.
  2. Ein jährlicher Besuch aus Deutschland in Liberia oder/und ein Besuch aus Liberia in Deutschland sind zur Motivation unbedingt notwendig.
  • 2016 waren Julius K. Kanubah (Liberianischer DAAD-Student) und Michael Jentzsch (Autor des Bestsellers Blutsbrüder, der die authentische Geschichte zweier Jungen im liberianischen Bürgerkrieg erzählt) zuerst beim Afrikatag im Pestalozzi-Gymnasium unsere Gäste. Anschließend waren beide getrennt und zu unterschiedlichen Zeitpunkten in Liberia.
  • 2016 wurde From Street to School, Monrovia gegründet und der erste Versuch gemacht, ein Reiseprojekt mit einer Schülerin und einem Schüler zu starten. In Deutschland war der Vorstand wegen der sogenannten Flüchtlingskrise skeptisch und in Liberia scheiterten Erwachsene an beruflichen Aufgaben (Zeit!) und die Jugendlichen daran, dass sie sich nicht zutrauten, auch alle anderen fair an ihren Erfahrungen teilhaben zu lassen.
  • 2017 wurde Pro Liberia e.V. in From Street to School und Globales Lernen e.V. umbenannt. Die Satzung wurde so verändert, dass die beiden Vereine als eigenständige Körperschaften miteinander kommunizieren können. Projekte werden beidseits berichtet und vorgeschlagen, kritisch reflektiert und auch gemeinsam finanziert. In Liberia fanden mehrere Workshops zu verschiedenen Themen statt. In München begannen der Liberia-Arbeitskreis und der Verein damit, alle ihre Initiativen nach Liberia zu kommunizieren. Wir berichteten, welche Ideen wir hatten, was wir damit bezweckten und wie die Projekte gelangen – oder, was gar nicht so selten ist, nicht so gut gelangen, wie wir uns das bei Beginn gedacht hatten.
  • 2019 wurde From Street to School als Förderverein des Liberia-Arbeitskreises, einer entsprechenden Schülerinitiative in der Nelson-Mandela-Berufsoberschule und des gemeinnützigen Vereins From Street to School inc. in Liberia auch vom Finanzamt anerkannt.
  • 2020 wird der Afrikatag gemeinsam von Interessenten an einer Schülerreise nach Liberia und dem Liberia-Arbeitskreis vorbereitet. Dafür erhalten wir Unterstützung vom Schülerprogramm des Pädagogischen Instituts der Stadt München.

Besuch aus Liberia im Februar 2019

„When I came back I got the adjustment of two ways of living or society. For presentations I think we presented the way they wanted.“
– Mary Saab-Johnson, 2019

Hier bei uns zählt die Produktivität im technisch messbaren Sinn am meisten. Diese Denkkultur verbindet uns über alle regionalen Kulturgrenzen hinweg. Wer in Deutschland aufwächst, dem wird es leicht gemacht, Arbeitsteilung im industriellen Sinn zu lernen, Themen ergebnisorientiert anzugehen, auf die Uhr zu schauen und sich an Regeln zu halten. Wer dasselbe in Liberia tut, merkt schnell, dass solches Verhalten nicht zum Glück führt und nicht erwünscht ist. In Liberia dominieren in allen Lebensbereichen vorindustrielle Organisationsformen. Solche Aussagen sind wahr und doch enthalten sie mehr unzulässige Verallgemeinerungen als die Wirklichkeiten beider Länder verdient haben. Für die Jugendlichen im Liberiaprojekt versuchen wir deshalb etwas anderes zu ermöglichen: echte Erfahrung mit echten Menschen.

Deshalb war der Schüleraustausch für alle, die mit ihm zu tun hatten, eine unvergessliche Erfahrung. Stellvertretend für alle Kolleginnen und Kollegen, die ihre Klassen in der Vortragssituation mit Mary und Bryce erleben durften, möchte ich unsere Chemielehrerin zitieren, Marys Lieblingsunterricht. Mary möchte gern Gynäkologin werden.

„So rückt die Welt ein bisschen näher zusammen, Vorurteile können über Bord geworfen werden und man kann sich gemeinsam neu auf den Weg machen! Danke an alle Organisatoren, die so etwas möglich machen!“

Unsere beiden Besucher waren 14 Tage, vom 10.2. – 24.2.2019, in München. An vier Tagen haben sie in Unterrichtsstunden hospitiert (zwei Tage am Pestalozzi-Gymnasium, zwei an der Nelson-Mandela-BOS), an vier Tagen konnten Kollegen an beiden Schulen Kurzreferate buchen. Eine wunderbare Erfahrung, denn die Referate waren freigehalten – ohne Fotos – und fanden in einer enorm konzentrierten Atmosphäre statt. Motivation pur! Als weitere Schule konnten Mary und Bryce die Berufsschule an der Bergssonstraße kennenlernen und waren überrascht. „It is so easy to learn in Germany“, kommentierte Mary die Vorteile. Keine überfüllten Klassen, Arbeitsmaterialien für jeden, schülerzentrierter Unterricht, Methodenvielfalt, nur 45 Minuten statt der 60 in Liberia und vor allem, meinte Bryce, „Schülerinnen und Schüler werden fair behandelt. Keiner schreit herum.“. Gabriel Laszlo von der Münchner Volkshochschule hat ihnen den Kern des Volkshochschulkonzepts erklärt und über das Inklusionskonzept der UN erzählt, das die Stadt München gemeinsam mit Volkshochschule und Stiftung Pfennigparade am Luitpoldzentrum verwirklicht. Mit dem Afrikatag am 14.2. konnten unsere Gäste einen Projekttag erleben. Begleitet wurden die beiden von Schülerinnen und Schülern des Liberia-Arbeitskreises und von Mitgliedern des Vereins From Street to School und Globales Lernen e.V.. Ihre Unterkunft war eine Wohnung am Stiglmaierplatz, in der sie privat eingebunden waren, selbst Besuch empfangen und entspannen konnten, wie sie es wollten. Es war Februar und ihre Wohnung war ganz sicher der wärmste Ort in München.

Für die Fortsetzung des Schüleraustauschs benötigen wir Ihre finanzielle Unterstützung.

Interesse an weiteren Einzelheiten: Bitte wenden Sie sich an uns!

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