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Wir verwenden den Begriff Globales Lernen,

weil wir täglich an unseren Schulen mit globalen Realitäten konfrontiert sind und das sehr schätzen.

Unsere Fähigkeit, uns vorzustellen, was gut für Andere ist, ist begrenzt

Viele unser Schüler*innen kommen aus Familien mit alternativen Strukturen, denkt man an traditionelle Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau und die traditionelle Verbindlichkeit der Eheschließung. Selten wartet auf unsere Schüler*innen zu Hause eine ähnlich ritualisierte Kommunikation, mit der die vergangene Generationen noch großgeworden sind.

Statt der traditionellen, eingrenzbaren und Widerstand provozierenden Verhältnisse halten immer mehr schulische, politische und kulturelle Informationen und Anregungen Einzug in die intime Erfahrungswelt, mit der junge Menschen ihre Identität bilden. Die nächsten Verwandten kommen oft nicht aus Deutschland, viele sind zweisprachig oder in zwei Kulturen sozialisiert. Die meisten haben ein Gefühl dafür, dass kulturelle Vielfalt natürlich eine Tatsache, aber auch eine Form von Reichtum und zugleich eine Herausforderung ist.

Weil wir sehen, wie wenig Raum und Zeit es in der Schule gibt, diese vielfältigen Perspektiven zum Sprechen zu bringen, nennen wir das, was wir machen, Globales Lernen.

Lernen braucht mehr als Unterricht, weil alle Beteiligten in einem Prozess ständiger Veränderung sind.

Die meisten Kolleg*innen werden uns zustimmen, dass unsere Kinder durch die mobilitätsbedingten kulturellen und sozialen Veränderungen mutiger geworden sind, wenn es darum geht, sich selbst darzustellen, eine Meinung zu formulieren und sich in einer Fülle von scheinbar gleich attraktiven Angeboten zu orientieren.

Uns fällt auf, dass die neue globale Kommunikationskultur im städtischen Nachkriegs-Monrovia und in den städtischen Kulturräumen unseres bunten München ähnliche Prozesse in Gang setzt, mit denen wir uns aus zwei Perspektiven beschäftigen.

Wir sehen:

  • musikalischen Ausdruck
  • Ausdrucksformen im Tanz
  • Kenntnis, Konsum und Produktion von Popkultur und digitalen Angeboten
  • Lyrik, Essays und zivilgesellschaftliche Initiativen
  • Alles ist volatil, folglich leben auch Vorurteile kürzer
  • Die Chancen zu gewinnen sind nicht so verteilt, dass es zum Besten ist

Wer in diesen Zeiten etwas wirkungsvoll vermitteln möchte, muss exemplarisch vorgehen und Raum und Zeit zur kreativen, selbstgestaltenden Aneignung geben. Außerdem müssen die geltenden Werte für #Richtig, #Falsch, #Wahr und #Unwahr transparent gemacht werden.

Relativismus und Nachlässigkeit sind in unseren Augen die Trojanischen Pferde, die die wirtschaftliche Globalisierung in Gesellschaften einschleust, weil sie dem Umsatz dienen. Mit dem Globalen Lernen wollen wir dazu beitragen die subtilen Manipulationen aufzudecken, denen wir uns als Teilhabende einer globalen Medien- und Konsumgesellschaft freiwillig aussetzen.

Fakten ändern ihre Bedeutung, wenn sie unter verschiedenen Blickwinkeln gesehen werden

Die Art Schule zu machen, die wir bis heute pflegen und in die ganze Welt transportiert haben, hat ihren Ursprung in den jungen Nationalstaaten des späten 18. Jahrhundert, als Industrie, Staat, Gesellschaft und Kultur noch gar nicht so miteinander verbunden waren wie heute. Je nachdem, was zu Zeit und Menschen passt, verändert sich Schule – nicht mal in Deutschland selbst ist sie überall gleich. Auch die Erwartungen, die die Institution erfüllen soll und kann wandeln sich. In den Hauptstädten Liberias und Deutschlands hat all das im Laufe der vergangenen Jahrzehnte eine zusätzliche Note als Konnotation erhalten, die damit zusammenhängt, dass globalisierte Wirtschaft die Menschen in den großen Städten vernetzt. Mit ethischen Konzepten verbundene Begriffe wie Individuum, Familie, Spiritualität, Neugier, Zeit, Arbeitsteilung, Demokratie, Mitsprache, Lebensalter, Kultur, Glück, Freiheit, Kindes- Jugend- und Erwachsenenalter, Entwicklung und Verantwortung werden global verwendet und verstanden. Im Moment steht die kulturelle Globalisierung allerdings anscheinend vor einer schwierigen Entwicklungsstufe:

Wir glauben, uns weltweit zu verstehen und verschenken aus Gründen unserer beschleunigten Lebensweise gerade deshalb viele Gelegenheiten, uns bewusst zu machen, wie weitreichend unsere gegenseitigen Missverständnisse sind. Hier bei uns glauben viele, individuelle Freiheiten zu leben, die Klassengesellschaft überwunden zu haben und keinem schaden zu wollen. In Liberia glauben viele, dass Freiheit eine spirituelle Grundlage haben muss, weil sie von Machtverhältnissen abhängt, die vor Gewalt und Armut schützen. Während uns eine starke Tradition von Rule of Law, Bürgerstaat und Kapitalismus an selbstgemachten Fortschritt und nachhaltige Entwicklung glauben lassen, halten das viele Liberianer für etwas anmaßend, selbstgerecht und euphemistisch.

Wir erreichen für die Teilnehmer unserer Workshops, dass sie sich der Differenzen im Gemeinsamen bewusst werden. Wir erweitern den einschlägigen Wortschatz und räumen Verwunderung und Widerspruch ein sprachliches Existenzrecht ein. Die Jugendlichen merken, dass sich die Beschäftigung mit den Details lohnt. Dass nicht der Austausch von Thesen eine Diskussion spannend macht, sondern dass es die vielen Erzählungen sind, die uns durch ihre Vielfalt faszinieren . Etwas zur Sprache zu bringen, ist eine Methode des Globalen Lernens.

Wie können wir Institutionen weiterentwickeln, damit sie Handeln kontrollieren, ohne Entwicklung zu beschränken?

Wir sehen, dass Globalisierung auf verschiedenen Wegen demokratische Öffentlichkeit, Institutionen und Pluralismus, wie sie für unser Verständnis von bürgerlicher Freiheit und Demokratie zentral sind, gefährdet. Gemeint ist mit Öffentlichkeit in diesem Zusammenhang die vertrauensvolle, authentische und konstruktiv kritische Auseinandersetzung mit anderen An- und Einsichten. Für eine solche Öffentlichkeit sorgen in unserer gesellschaftlichen Tradition Institutionen. Also brauchen wir mehr, nicht weniger von ihnen.

Globales Lernen ist Lernen innerhalb von definierten, institutionellen Schutzräumen, sodass Wissen wachsen kann. Thema ist jeder selbst mit seiner Erfahrung. Gemeinsame Projekte beziehen sich auf Themen von transnationaler Bedeutung – wie zum Beispiel Missbrauch von Kindern, Gleichberechtigung von Frauen und Männern, Mitbestimmung und Teilhabe an der Macht, politische Systeme, Religion und Moral, Bildung, Konflikte ……

Menschenrechte sind in unserer Arbeit eine Brücke, ein gemeinsames Projekt. Menschenrechte schließen keine Tradition als minderwertig aus, setzen aber neue, gemeinsame Maßstäbe. Die konstruktiven Kräfte in der liberianischen Gesellschaft, die voller ethnischer und religiöser Gegensätze ist und die erst am Anfang ihrer zivilgesellschaftlichen Entwicklung steht, setzen auf die Menschenrechte als gemeinsames Projekt. Menschenrechte sind eine gemeinsame normative moralische Basis unserer Projekte.

Als Plattform mit eigener Internet-Seite ist das Liberiaprojekt Raum- und Zeitspender für alles, was sich in Liberia und in Deutschland bei unterschiedlichen Voraussetzungen gemeinsam entwickelt. Unsere Gruppen:

  • From Street to School
  • From Street to School und Globales Lernen
  • Voice of the Voiceless
  • Cynthia’s Group
  • Writing-Competition – Background-Club
  • Afrikatag – Liberia-Ak am Pestalozzi-Gymnasium (AK Projekttage)
  • Kreatives Schreiben und Globales Lernen am Pestalozzi-Gymnasium
  • Schule ohne Rassismus Schule mit Courage und verwandte AGs an der Nelson Mandela BOS

Auf die Methodik kommt es an!

Ein wichtiges Element ist das Erzählen. Das kreative, von der persönlichen Erfahrung geprägte ausgestalten von Geschichten.

Beispiel aus der Vorbereitung:

Thema: Migration und Identität

Philosophische Frage: Wer bin ich?

Hintergrundtext: Identität und Migration

Wenn wir ein Fahrzeug wären und uns durch eine Kurve bewegten, dann wäre die Krise die Zeit, in der wir eben in die Kurve einfahren. Damit das Bild stimmt, müssen wir davon ausgehen, dass wir zuvor keinen Plan davon hatten, dass gerade jetzt eine solche Kurve kommt und dass andererseits mitten in der Kurve noch nicht klar ist, wie wir möglichst unbeschadet wieder herauskommen können. Es gibt Krisenzeiten, die nur für den Einzelnen kritisch sind, aber auch solche, die ganze Völker betreffen.

Eine Folge von Krisen kann es sein, dass Menschen ihr Zuhause verlassen. Das passiert, wenn die Situation für die Zukunft ihrer Kinder immer schlechter zu werden scheint, wenn es zu wenige Möglichkeiten gibt, sich frei und glücklich zu fühlen, wenn sehr viel gearbeitet wird, ohne dass Einzelne einen Gegenwert erhalten und wenn schon jemand aus dem Bekanntenkreis oder der Familie weggegangen ist, sodass die Menschen zu Hause glauben, sich vorstellen zu können, was ihnen auf der Reise begegnen wird und was sie am Zielort erwartet.

Dennoch: das reicht meistens nicht. Was dazu kommen muss, ist ein Identitätsproblem, wenn z.B. in einem Bürgerkrieg plötzlich Nachbarn aufeinander losgehen, wenn plötzlich Verschwörungstheorien die Medienberichte beherrschen und nichts mehr mit dem zusammenpassen will, was bisher gültig war. Kurz: In einer Krise fassen Menschen Mut, alles stehn und liegen zu lassen, alles zu riskieren, um dem Schicksal eine Chance zu geben, die Ereignisse zu einer schöneren Geschichte zu ordnen. So etwas lässt sich nicht im Detail planen. Irgendwann in der Kurve, wenn sie einem zu lang geworden ist, fasst man den Mut, gibt Gas und versucht den fehlenden Plan durch Achtsamkeit zu ersetzen und zu handeln. Menschen die fliehen sind nicht hilflos, arm und bemitleidenswert, sondern mutig oder wagemutig, voller Hoffnung und stark. Oder was denkst du übers Weggehen?

Uralte Geschichten über das Leben in kritischen Situationen finden wir in Sagen und Märchen.

Deutschen Kindern wird in ihrer Kindheit seit Jahrhunderten das Märchen von Hänsel und Gretel erzählt.

Hänsel und Gretel


Einige unserer Ideen, die seit 2018 den Roten Faden unserer Workshops in Deutschland und unsere Lehrerfortbildungen in Liberia darstellen.


Beispiele für bereits durchgeführte Workshops